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Apnoe - Wenn Tauchen zum Extremsport wird

Die Geschichte

Archäologische Funde belegen, dass Menschen bereits seit ca. 4500 vor Christi mit dem Freitauchen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die ersten dafür bekannten Völker waren Die Haen - Yo in Korea und Amataucherinnen aus Japan, die beide mit angehaltenem Atem in die Tiefe tauchen, um Muscheln und Schwämme zu sammeln und später zu verkaufen. In der Antike halfen Freitaucher dem griechischem Militär bei einem Angriff auf Syracus (Sizilien) die Unterwasserbarrieren zu durchbrechen, die die griechischen Schiffen beschädigen und so vom Angriff abhalten sollten. Auch die Speerfischer rund ums Mittelmeer bilden den geschichtlichen Hintergrund für die Entwicklung des Apnoesports.

Beim Freitauchen geht der Taucher ohne zusätzlichen Sauerstoff in die Tiefe des Meeres und bleibt so lange unter Wasser, wie es sein Atem zulässt. Freitaucher bleiben minutenlang unter Wasser. Sie haben die unbewusste Angst vorm "Ertrinken", die in jedem Menschen schlummert, abgelegt. Diese Art zu tauchen, nennt man Apnoe-Tauchen. Das Wort Apnoe stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Atemstillstand". Der Freitaucher erlernt eine Praxis, durch die Herzfrequenz und Sauerstoffverbrauch sinken und der Taucher in einen Zustand tiefster Entspannung gerät.

Die Lungen werden mit jedem Meter, die der Taucher hinabschwebt, immer komprimierter. Schon nach 10 Metern ist das Lungenvolumen auf die Hälfte geschrumpft. Der Sauerstoffanteil im Blut nimmt kontinuierlich ab. Nach 30 Metern würde die Lunge normalerweise kollabieren, doch da setzt das Phänomen "Blood-shift" ein. Es kommt zu einer Blutanreicherung in der Lunge, die einen Unterdruck ausgleichen kann. Je tiefer man taucht, desto mehr verlagert sich das Blut aus den Gliedmaßen in den Rumpfbereich.

Dennoch stoßen auch heute noch Ärzte und Wissenschaftler ans Ende mit ihrem Latein, wenn "No Limit" Apnoe-Taucher immer wieder neue Rekordtauchtiefen aufstellen, wo der Taucher eigentlich Druckbelastungen ausgesetzt ist, die der menschliche Körper nicht mehr kompensieren kann. Man muss bedenken, ab etwa 120 Metern werden sämtliche Hohlräume des Apnoe-Tauchers auf 1/13 der ursprünglichen Größe komprimiert. Der "No-Limit" Rekord liegt derzeit bei 171 Metern! Als es noch keine Sauerstoffgeräte gab, war "Luftanhalten" die einzige Möglichkeit, um die Schätze des Meeresbodens zu bergen.

Heute ist diese Technik ein Extremsport, bei dem es hauptsächlich darum geht, wie tief und wie lang man mit der eigenen Atemluft tauchen kann. Das Risiko ist dementsprechend hoch und nicht selten sind manche Wagemutige nie wieder aufgetaucht. Größte Gefahr beim Apnoe Tauchen ist das plötzliche Blackout, daher werden Tauchgänge niemals ohne Sicherungshelfer, dem Buddy (Flaschentaucher, die den Tauchgang des Apnoe-Tauchers begleiten), durchgeführt.

Bei Apnoe wird in folgende Disziplinen unterschieden:

Libre
Die Disziplin Libre ähnelt dem Tauchen mit konstantem Gewicht. Es darf kein zusätzlicher Ballast für den Abstieg verwendet werden. Jedoch ist es erlaubt, sich am Seil hinab, und beim Rückweg hoch zu ziehen. Auf Flossen muss gänzlich verzichtet werden. Nur die Kraft der Arme ist ausschlaggebend. Wettbewerbe werden seltenausgeführt, aber es gibt Rekordlisten.

Dynamic
Dynamic oder Streckentauchen ist wie Static eine Hallenbad-Disziplin. Der Taucher versucht mit einem Atemzug eine möglichst große Distanz in der Horizontalen Lage zurückzulegen. Die Tiefe spielt dabei keine Rolle, und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. Dynamic findet entweder mit oder ohne Flossen statt, aber zwischen einem 25 m und 50 m Becken wird nicht unterschieden. Es wird vor allem in den Wintermonaten gemacht, da das Tieftauchtraining in den Freigewässern nicht möglich ist. Das Streckentauchen ist eine hervorragende Übung um die Beinmuskulatur für die kommende Tieftauchsaison zu trainieren. Wettbewerbe finden oft in der Kombination mit Static statt. Gute Apnoisten erreichen beachtliche Distanzen und verwenden in der Regel die Monoflosse.

No Limit
No Limits, wie der Name schon sagt gibt es hier keine Grenzen. Das Gewicht des Tauchschlittens, das den Taucher hinabzieht, darf vom Ihm frei gewählt werden. Für den Rückweg ist es erlaubt, in der maximalen Tiefe einen Hebesack zu füllen, der den Taucher zurück an die Oberfläche bringt. Körperliche Kraftanstrengung fällt nahezu weg, die Tauchtiefen werden von der Fähigkeit, den Wasserdruck auszugleichen limitiert. Es ist wegen der enormen Tiefen die so erreicht werden, die wohl spektakulärste und bekannteste Art des Freitauchens. Der Aufwand solche Versuche zu organisieren ist beträchtlich, und das Risiko eines Unfalls weit höher als bei den anderen Disziplinen. Es gibt keine Wettkämpfe oder Meisterschaften, es werden aber Rekordlisten geführt. Weder Ärzte noch Wissenschaftler können sich die derzeitigen Rekordmarken erklären, da der menschliche Körper derartigen Druckbelastungen eigentlich nicht kompensieren kann.

Static
Static oder auch Zeittauchen genannt, ist ein Hallenbad-Wettbewerb. Es wird die maximale Tauchzeit ermittelt, die man mit einem Atemzug Unterwasser bleiben kann. Dabei ist es nicht erforderlich vollständig abzutauchen. Auf der Oberfläche liegend, mit dem Gesicht im Wasser ist die bevorzugte Haltung. Mit einem Sicherungs-Helfer werden abgesprochene Zeichen ausgetauscht, um eine plötzliche Ohnmacht, wegen Sauerstoffmangels sofort erkennen zu können. Die zu erwartende Tauchzeit muss vorher angesagt werden. Das erste Zeichen des Sicherungs-Helfers erfolgt spätestens eine Minute vor Ablauf der angegebenen Zeit.
Obwohl es sich scheinbar um eine harmlose Übung im sicheren Schwimmbecken handelt, ist ein Sicherungshelfer bei jedem Tauchversuch unerlässlich. Eine unbeobachtete Ohnmacht ist lebensgefährlich, da es bei dieser Disziplin schnell zu einem Blackout kommen kann.

Variabel
Der Taucher darf für den Abstieg ein zusätzliches Gewicht von max. 30 kg verwenden. Das Gewicht in Form eines Tauchschlittens, bringt den Athlet ohne große Kraftanstrengung an das Ziel, und bleibt dort zurück. Der Rückweg zur Oberfläche muss aus eigener Kraft bewältigt werden. Es ist erlaubt, sich mit den Armen am Seil zu ziehen, oder mit Hilfe der Flossen nach oben zu schwimmen. Variabel verlangt vom Athleten viel Erfahrung. Da der Abstieg nahezu mühelosen ist, aber darauf folgt der kräftezehrende Rückweg. Tauchen mit variablem Gewicht ist keine Wettkampf-Disziplin, es werden aber Rekordlisten geführt.

Constant
Der Taucher muss mit eigener Kraft hinabtauchen. Gewichte die den Abstieg erleichtern, und in der Tiefe zurückbleiben sind nicht erlaubt. Das Eigengewicht darf nicht verändert werden und bleibt während des Tauchgangs konstant. Als Führung dient ein Seil, daran ist in der angestrebten Tiefe eine Plakette angebracht, die der Taucher als Beweis der erreichten Tiefe mit nach oben bringen muss.
Das Seil darf nicht berührt werden. Zieht sich der Taucher daran hinab, oder auf dem Rückweg wieder hoch, wird er disqualifiziert. Lediglich zum Stoppen in der maximalen Tiefe, um die Plakette zu nehmen, ist es erlaubt an das Seil zu greifen. Bei Wettbewerben wird diese Disziplin meist in Kombination mit Static ausgetragen.

Eine aktuelle Liste aller Apnoe - Tauchlehrer in Deutschland gibt es unter http://www.vdstapnoe.de
 

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